Warmbronn im Mai 2018

Verehrte Leserin, geehrter Leser,

in der letzten Information im alten Jahr hatte ich noch zwei Neuerscheinungen angekündigt, welche Ende 2017 herausgekommen sind: ein Langgedicht von Dorothea Dieckmann mit dem Titel Sommer in Dresden und ein Gespräch, das Matthias Bormuth mit dem Autor und ehemaligen Hanser-Verleger Michael Krüger geführt hat – beide Titel sind lieferbar.

Am 11. Februar 2018 erschien zum 20. Todestag von Albrecht Fabri aus dessen Nachlass eine Sammlung von 9 Filmskripten, die er als Beiträge zu dem Fernsehmagazin »Spektrum« des WDR 1961 verfasst hat. Jürgen Egyptien edierte die Texte und hat sie mit einem Nachwort versehen. Themen sind: Zu Picassos 80. Geburtstag; Frankfurter Buchmesse 1961; Malerschulen Berlin; Deutsches Wörterbuch; Karl Gerstner; Die Gartenlaube; Max Ernst-Ausstellung; Spielzeugmesse; Paul Troger-Ausstellung auf Stift Altenburg.

Es war mehr ein Zufall, dass Matthias Bormuth gerade jetzt, wo viel über die 1968er geschrieben wurde, einen Text zu Ulrike Meinhof verfaßt hat. Der Essay umfasst die Frage als »Skizze einer Verunglückten«. Diese geht von Uwe Johnsons Ansicht aus, die Radikalisierung der 68er als Ausdruck eines übersteigerten Moralismus zu betrachten. Neue Aufschlüsse hierfür bieten die Semesterberichte, die Meinhof an die »Studienstiftung des deutschen Volkes« über ihren protestantischen Bildungsgang schrieb. Dabei rückt auch erstmals der Vater Werner Meinhof als Kunsthistoriker in den Blick.

In Fellbach bei Stuttgart wurde Ende April d. J. zum zehnten Mal der Mörike-Preis der Stadt vergeben. Er ging an Elke Erb, einen Förderpreis erhielt Marie T. Martin. Die Laudatio auf Elke Erb hielt Florian Höllerer vom LCB in Berlin. Diese Laudatio und die Mörike-Rede der Preisträgerin werden wir gegen Herbst in einem Band veröffentlichen. Im Rahmen des Preises hielt noch Nico Bleutge einige Wochen zuvor einen Prolog als Einführung in das Werk von Elke Erb; auch diesen Text beabsichtigen wir als Einzelausgabe in diesem Jahr zu publizieren.

Weiterhin ist für den Sommer ein Essay von Sebastian Kleinschmidt in Vorbereitung, die nun dritte Publikation des Autors bei uns. Sie trägt den Titel »Hohe Himmel, weite Wasser« und beschreibt die Landschaft in und um Ahrenshoop, einbezogen auch die Künstlerkolonie vom Ende des 19. Jahrhunderts, ausgestattet mit 10 farbigen Malereien der damaligen Zeit, von Paul Müller-Kaempff, Friedrich Wachenhusen, Malchin u.a.

Das Literaturhaus in Stuttgart begann im Sommer 2015 eine Reihe mit dem schönen Titel »Unter Sternen. Neue Poesie und ihre Wahlverwandtschaften«. Zwei Dichterinnen / Dichter treffen sich zur Lesung und zum Gespräch. Sie verbinden zeitgenössische poetische Texte mit Rezitationen alter Texte, auf die sie sich beziehen. Unsere Publikationen dazu reihen sich ein ab der 2. Veranstaltung (1916), das betraf Monika Rinck und Marion Poschmann. Im Juli 2017 sprachen und lasen Ilma Rakusa und Orsolya Kalász, diesen Sommer werden es Dagmara Kraus und Durs Grünbein sein. Veröffentlicht werden die bearbeiteten Lesetexte jeweils beider Autoren – leider lässt sich die erste Veranstaltung von 1915 mit Nadja Küchenmeister und Raoul Schrott nicht mehr rekonstruieren.


Abschließend mein Aufruf an Autoren und Nochnichtautoren: Alter und Gesundheit veranlassen mich zu der Bitte, mir keine Manuskripte zu senden, auch Anfragen in dieser Hinsicht zu beantworten fallen mir schwer – ich bitte um Verständnis und grüße herzlich –

Ihr Ulrich Keicher